Bäume der Permakultur, Teil 2

Die Hebammen des Food Forest

Zuletzt schrieb ich über die Vorzüge von Paulownia. Heute möchte ich wieder besondere Helfer der Permakultur vorstellen. Bäume sind nicht nur schön, Rückzugs- und Lebensraum für Tiere und inspirierten unsere Vorfahren zu vielen Mythen, sondern auch unabdingbar für eine gesunde und nachhaltige Landwirtschaft. 🌲🌳🏡🌲🌳
Seit ich mich für Permakultur interessiere, laufen mir immer wieder zwei Bäume über den Weg, die wie die eierlegende Woll-Milch-Sau anmuten. Black Locust (Robinia pseudoacacia) und Honey Locust (Gleditsia triacanthos). Zumindest im Englischen… zu Deutsch wären das die Robinie, oder auch Falsche Akazie genannt und die Amerikanische Gleditschie. Beides Vertreter der Leguminosen.
Auf den folgenden Seiten möchte ich wieder die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten dieser vielseitigen Bäume auflisten. Ich werde dabei die englischen Namen verwenden, da man auf Englisch ohnehin viel mehr Informationen recherchieren kann. 😉 Zwar sind sich die beiden Bäume aus Nordamerika sehr ähnlich, aber ich werde auch auf wichtige Unterschiede hinweisen! 🤓

Rohstoff Holz

Die beiden Locust sind dafür bekannt, dass sie sehr schnell wachsen. Trotzdem erhält man von diesen Bäumen schweres Hartholz. Dieses Wertholz wird gern mit dem der Eiche verglichen!
Besonders bekannt sind Black und Honey Locust aber auch dafür, dass das unbehandelte Holz mehr als ein Leben lang im Freien eingesetzt werden kann, ohne das es verrottet! ⛈ In den USA wird es oft als Pfähle für Zäune verwendet und man kann diese 70 bis 100 Jahre im Boden lassen, ohne das sie zerfallen! Natürlich macht diese Eigenschaft den Einsatz im Hochbeet unmöglich. 😁
Diese unglaubliche Haltbarkeit ist auf zwei besondere Inhaltsstoffe zurückzuführen. Die machen das Holz nicht nur wasserabweisend, sondern auch noch immun gegen Pilzbefall! 🍄 Als Holzmulch ist Locust aber sicher ungeeignet, wenn es so schwer verrottet und Pilze sich nicht davon ernähren können.^^
Wenn man diese Bäume ca. alle 2 Jahre kappt, bzw. zuschneidet, kommt man so regelmäßig an sehr gute Werkzeugschäfte. 🔨⛏ Das Holz ist robust und federt sogar ein wenig! Wiederum kommt man so aber auch an ausgezeichnetes Brennholz. Denn Locust brennt nicht nur sehr heiß, sondern auch sehr lange. Außerdem kann man es auch selbst dann noch gut anzünden, wenn es feucht geworden ist. 🔥 Pappel und Weide würden zwar mehr m3 Holz liefern, doch sie sind als Brennmaterial weit weniger effizient als Locust.
Die Nutzung dieser tollen Permakultur-Bäume beschränkt sich aber nicht auf Schäfte und Heizmaterial, sondern bietet sich auch als hervorragendes Bauholz an. Natürlich bietet es sich für den Einsatz im Zusammenhang mit Wasser an, ⛵️ aber auch als Holz für Außenmöbel oder Häuser ist es bestens geeignet. Man muss nur darauf acht geben, dass man es möglichst früh bearbeitet. Altes Locust-Holz soll so hart sein, dass man sich selbst mit der Bohrmaschine sehr schwer tun wird. Daher trägt dieses Wertholz auch den Beinamen „Steinholz“!

Bodenanforderungen und -verbesserung

Black und Honey Locust sind äußerst genügsame Bäume. Letzterer lässt sich sogar bei erhöhtem Salzgehalt erfolgreich pflanzen und ist resistent gegen schlechte Luftqualität. Des weiteren sind beide Bäume, sobald etabliert, sehr Dürre-tolerant. Die Widerstandskraft der Bäume führt aber auch dazu, dass sie sich ohne Kontrolle sehr stark verbreiten und invasiv wirken können.
Dennoch eignen sich die Pflanzen wundervoll zur Wiederbelebung ausgelaugter Böden. 🌱 Denn wie alle Leguminosen, gehen auch die Wurzeln von Black und Honey Locust eine Symbiose mit einer Bakterien-Art ein, die den Stickstoff unserer Atmosphäre bindet und für die Fauna verwertbar macht. So erhält man natürlichen Dünger, ohne den Boden mit Chemie zu töten und zu übersalzen. Darüber hinaus fördern die Wurzeln dieser Bäume auch tief liegendes Kalzium und Kalium in ihre Blätter. Zusammen mit dem Stickstoff, gelangen diese Mineralien über die herabfallenden Blätter in die oberen Erdschichten und werden so erreichbar für viele Nachbarpflanzen. 🍃🍂

Durch die kleinen Blätter dringt noch viel Licht
Der Boden um diese beiden Permakultur-Bäume werden also von Jahr zu Jahr nährstoffreicher. Nicht nur deshalb sind Black und Honey Locust ausgezeichnete Hebammen für andere Pflanzen. 😚 Denn auch als Schattenspender, die trotzdem noch genug Sonnenlicht durch ihr Blätterdach lassen, sind diese beiden Bäume gut geeignet. Die vielen, kleinen Blätter blockieren nicht das ganze Licht, spenden aber genug Schatten für junge Bäume. 🌿 Außerdem werden Black und Honey Locust erst spät im Frühling grün und somit gibt’s nochmal extra Sonne für die kleineren Bäume in der Nachbarschaft. 🌞
Daher setzt man in der Permakultur die beiden Leguminosen gerne in Obstbaumgilden ein. Sie dienen als Oberholz, während die kürzeren Obstbäume das Unterholz bilden und in jungen Jahren vor der noch zu starken Sonneneinstrahlung geschützt werden. Sind die Kulturbäume groß genug für das volle Sonnenlicht, wird der Locust gefällt und zu Bau- und Brennholz verarbeitet.
Beide Bäume sind außerdem immun gegen den Giftstoff Juglon, des Schwarznuss-Baumes. Somit eignen sie sich gut, um andere Bäume in der Nähe vor dem Gift zu schützen.
Ach, bevor ich es vergesse – Black Locust’s Wurzelsystem eignet sich bestens um Hänge und Terrassen zu stabilisieren!

Mulchmaterial

Die herabfallenden Blätter der beiden Bäume enthalten viele, wichtige Mineralstoffe, die von den Wurzeln aus tieferen Erdschichten nach Oben getragen wurden. Außer diesen Nährstoffen, fallen aber auch noch Blüten und Hülsen zu Boden. Entweder werden diese von Tieren gefressen und gelangen als Kot wieder in den Kreislauf, 💩 oder sie werden direkt von Mikroorganismen zu Humus verarbeitet. Alles in Allem mulchen Black und Honey Locust ihre Umgebung sehr zuverlässig und verhindern so das Wuchern unerwünschter Pflanzen.

Tierfutter

Honey Locust eignet sich hervorragend als Futter für die Tiere einer Farm. Insbesondere die großen Hülsen sind sehr nahrhaft und können bedenkenlos zur Diät unserer Schützlinge hinzugefügt werden. Bei Black Locust muss man vorsichtiger sein!
Für Pferde sind die Früchte und Blätter bekanntlich unverträglich. 🐴☠️ Also bitte diese Tiere vor dem Zugang zu Black Locust bewahren. Über andere Tiere gibt es sehr gemischte Erfahrungsberichte. Allgemein geht man aber davon aus, dass solange Schweine, Schafe, Hühner und Co. 🐔🐮🐷 ausreichend weitere Nahrungsmittel zur Verfügung haben, die Hülsen und Blätter des Black Locust keine negative Auswirkung entwickeln. In geringer Menge zur Diät hinzugefügt, liefern sie nämlich viele gute Nährstoffe und Proteine! 🍽
Man kann auch den Wildtieren einen guten Dienst erweisen, in dem man ihnen Zugang zu Black und Honey Locust gewährt. Sie werden sich über die zusätzliche Futterquelle freuen.
Hühner fressen übrigens auch gerne die frischen Schösslinge und können somit das Wachstum dieser Bäume im Zaum halten.

Nahrungsmittel

Die Bohnen und Hülsen von Honey Locust sind essbar
Wie auch für Pferde, sind Blätter und Hülsen des Black Locust für den Menschen giftig. Übelkeit und Erbrechen sind die Folgen. Doch ganz anders sieht es da bei den Blüten aus. Diese werden gerne in Pfannkuchen verarbeitet, oder direkt paniert und frittiert. Auch als Blütenmarmelade sind sie sehr schmackhaft. Natürlich kann man die Blumen auch als Tee genießen. Und es gibt sogar Black Locust Blüten-Wein. 🍷
Eine noch ergiebigere Nahrungsquelle ist hingegen der Honey Locust. Hier sind nämlich die jungen Hülsen und Bohnen essbar. Sowohl roh als auch geröstet oder gekocht, sind Beide genießbar. 🍻 Die Hülsen beinhalten sogar so viel Zucker, dass sich dieser daraus herstellen lässt. Selbst fermentiert als Bier sind sie schmackhaft. Die Bohnen lassen sich wie andere Bohnen-Arten verwenden, aber auch als Kaffe-Ersatz. ☕️

Boni: Bienen, Schädlingskontrolle und Nägel

Viele, viele Blumen
Die vielen, gut duftenden Blüten dieser Permakultur-Bäume locken natürlich allerhand Nützlinge an. 🐝 Natürlich lieben Bienen die Blumen von Black und Honey Locust und der Honig soll sehr gut schmecken. Doch auch Wespen bevorzugen die Nähe dieser Bäume und sorgen durch ihr Jagdverhalten für eine ausgezeichnete Schädlingskontrolle. Daran beteiligen sich aber auch die vielen Vogelarten, die gerne in den stachelbewährten Bäumen nisten. Die Dornen schützen vor Fressfeinden und bieten daher vielen Tieren ein sicheres Versteck.
Black Locust hat weit weniger Spitzen, während Honey Locust teilweise so viele und große Dornen trägt, dass man sie früher sogar als Nagel-Ersatz verwendet hat. Sollte einem also mal der Zugang zu metallenen Nägeln verwehrt sein, kann man immer noch auf die Stacheln seiner Bäume zurückgreifen. 😁

Für so vielfältig hättet ihr diese unscheinbaren Bäume sicher nicht gehalten. 🙃 Aber die beiden Bäume sind nicht ohne Grund so beliebt in der Permakultur. So nützlich und dann auch noch Boden-verbessernd – wer braucht da noch Gesundheits- und Umweltvernichtende Chemie? 😜

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Die Bilder dieses Artikels sind ausnahmsweise nicht von mir, sondern von pixabay.com

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